(red). Das Jahrbuch für Geschichte und Landeskunde "Rechtsrheinisches Köln", herausgegeben vom Geschichts- und Heimatverein Rechtsrheinisches Köln e.V. ist erschienen. Darin enthalten sind historishe Abhandlungen. Von der Steinzeit bis zum Biogarten reicht der Bogen der Geschichten aus der Geschichte des rechtsrheinischen Kölns.
Glanzvolle Zeiten "wachgeküsst" hat der
frühere Porzer Stadtarchivar Jürgen Huck bei seiner
Spurensuche nach den Anfängen und der Blütezeit des
Porzer Rathauses. Er lässt das Gebäude die Geschichte der
blühenden Gemeinde und Stadt Porz von den Anfängen im
Privathaus des Bürgermeisters Martin Jacobs im 19. Jahrhundert
bis zur Einweihung des neuen Bezirksrathauses und Bildungszentrums
1983 erzählen. Nachdenklich entlässt er am Ende den Leser
mit dem Wunsch des früheren Kölner Oberstadtdirektors
Kurt Rossa, das Haus möge "ein Ort zum Denken, Spielen
und Träumen werden". Hört der heutige Leser dabei
etwa Ironie heraus?
Mehr Glanz möchte auch Ilse Flock der früheren
Klosterkirche St. Nikolaus in Dünnwald verleihen. Als
Mittelpunkt eines Prämonstratenserklosters lag und liegt
dieses Schmuckstück rheinischer Romanik, die größte
romanische Kirche im rechtsrheinischen Köln, bis heute abseits
des Ortes und bildet doch zugleich seinen inneren Kern. In sieben
Jahren kann St. Nikolaus den 900. Geburtstag feiern. Die Autorin
erinnert von zahlreichen Bildern ihres Mannes begleitet an die
Bedeutung dieses bergischen Klosters für die Seelsorge,
Bildung, Geschichte und Besiedlung des Ortes und leitet wie die
katholische Gemeinde Dünnwald/ Höhenhaus mit der
abgeschlossenen Sanierung des Gebäudes diesen Ehrentag schon
jetzt ein.
Von den Anfängen des Umweltprotestes gegen Luft-, Wasser- und
Bodenverschmutzungen zwischen 1868 und 1887 in Kalk erzählt
spannend und informativ der Historiker Fritz Bilz. Und siehe da, zu
den Vorläufern einer "grünen" Bewegung vor mehr
als hundert Jahren gehörten Hausbesitzer, die leere Wohnungen,
Gartenbesitzer, die abfallende Blüten und Blätter,
Fabrikanten wie der Brauereibesitzer Christian Sünner, die den
Absatzrückgang ihrer Produkte befürchteten. Wenn auch die
Arbeiter viel direkter betroffen waren, wiesen zunächst
selbstbewusste Bürger der Industriegemeinde mit Petitionen,
Einsprüchen und Protestflugblättern auf die Grenzen des
Wachstums, handelten entsprechend und erzwangen
behördliche Kontrollen.
Stiller, aber mindestens so nachdrücklich vollzog sich die
heute so selbstverständliche Übernahme von
Pfarrämtern durch Frauen im evangelischen Köln. Von der
beeindruckenden ersten Frau, die vor rund 50 Jahren einen
Kölner Gemeindebezirk(Urbach/Eil) gründete, leitete und
über Köln hinaus in der rheinischen und früher
preußischen Kirche diesen Prozess anschob, der
Männerkirche abhandelte und kirchenrechtlich absicherte,
erzählt Wolf-Dieter Raudsep, der die Erinnerungen der Porzer
Pfarrerin und des Mitgliedes der rheinischen Kirchenleitung Sigrid
Volkmann dargestellt und archivarisch ergänzt hat.
Über den heutigen Stand der historischen Forschung zu
Dellbrück berichtet der frühere Schulleiter des Kalker
Gymnasiums Winand Breuer und ergänzt dies durch eigene
Untersuchungen zu den Wahlen und Schulen in Dellbrück und zum
Thurner Hof. Vom Steinzeitfund bis zum Biogarten der Gegenwart
reicht seine liebevolle Darstellung des erst 1905 noch innerhalb
von Merheim gegründeten Kölner Vorortes.
Abgeschlossen wird der Band von einer von Berthold Gladbach aus den
Quellen wiederbelebten amüsanten Kriminal- bzw.
Prozessgeschichte einer nicht bezahlten Reparatur eines Eiler
Brunnens ("Spielpützes"), die sich 1776/ 77 von
"Edmund Beckers Kneipe" in Eil bis zum
bairisch-pfälzischen Kurfürsten Karl Theodor
aufschaukelte und ein überraschendes Ende fand, und die vom
Hausbesitzer Akbar Farahmand rekonstruierte Baugeschichte des wohl
ältesten Hauses in Zündorf, des Fachwerkhauses in der
Hauptstraße 161.


