Kalk (sf). Mit einer Gedenkfeier wurde in der Martha-Mense-Straße der Widerstandskämpferin gedacht, die der Straße ihren Namen gab. Die Feier fand anlässlich des 100. Geburtstages von Martha Mense und auf Initiative der Geschichtswerkstatt Kalk statt.
Organisiert wurde sie mit Unterstützung der GAG Immobilien
AG, die alle Mieter aus dem Umkreis eingeladen hatte. Für die
musikalische Untermalung der Gedenkfeier sorgte Anwohner Michael
Vassios, der am Keyboard die Bläck Fööss Lieder
"Usjebomb", "Unger'm Adler" und das
Widerstandslied "Edelweißpirate" zum Besten gab.
Auch die 15-jährige Selin Aydinliagen, ebenfalls Anwohnerin,
leistete einen gelungenen Beitrag zum musikalischen Rahmenprogramm,
worüber sich Bezirksvorsteher Markus Thiele sehr freute:
"Mit dieser Veranstaltung wollen wir dafür sorgen, dass
auch junge Menschen partizipieren", erklärte er.
Dr. Fritz Bilz erinnerte mit einem Vortrag an das Leben von Martha
Mense, die 1911 als Martha Zündorf in Mülheim, damals
noch selbstständige Stadt, geboren wurde. Martha Zündorf
war in ihrer Jugend Mitglied der Sozialistischen Arbeiter Jugend,
im Kommunistischen Jugendverband Deutschland und später
Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands. 1933 wurde sie in
Höhenberg politische Leiterin dieser Partei und war fortan im
Widerstand tätig: Nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler
am 30. Januar 1933 verteilte sie Flugblätter, in denen sie
sich kritisch zur Machterhebung äußerte.
Außerdem schrieb sie Parolen gegen die Nazis auf Straßen
und Wände. Zweimal wurde sie hierfür verhaftet, einmal
davon wird sie im EL-DE Haus, der berüchtigten
Gestapo-Zentrale in Köln, untergebracht. Als sie sich
weigerte, die Adressen von stadtbekannten Kommunisten bekannt zu
geben, wurde sie wegen "Verbreitung zum Hochverrat" zu
zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Ab 1941 verteilte sie
wieder Flugblätter, drei Jahre später gelang ihr die
Flucht aus einer Zwangsverpflichtung bei der
Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt.
Nach Kriegsende engagierte sich Martha Zündorf, ab 1951 Martha
Mense, in der Aufklärung junger Menschen über die
NS-Zeit, bis zu ihrem Tod 1998 klärte sie junge Menschen
vorwiegend in Schulen auf und betonte dabei immer wieder, dass sich
diese Zeit niemals wiederholen dürfe.


